Freitag, 23. Oktober 2009

Einkaufserlebnis Infa

Diese Woche besuchte ich mit meiner Freundin die Infa in Hannover. Es gab wieder einmal zahlreiche Stände, z.B. mit Küchenutensilien, Wellnessartikeln, aber auch die üblichen Fressbuden waren vertreten. An einer dieser Fressbuden belauschte ich ein älteres Ehepaar.


Er regte sich sehr darüber auf, dass ihn der Eintritt zu dieser Werbe- und Verkaufsveranstaltung immerhin 10 € Eintritt gekostet hatte.


Im Kaufhaus zahle er ja auch keinen Eintritt, war eines seiner Argumente. Seiner Meinung nach sei es kein besonders schönes (Einkaufs-) Erlebnis, wenn er erst 5 € für den Parkplatz und dann 10 € Eintritt für jede Person zahlen müsse. Und letztendlich stünde ihm an jedem Stand ein eifriger Geschäftsmann gegenüber, der nichts zu verschenken habe, sondern seine Waren zu mehr oder weniger normalen Preisen verticken möchte. Die Zeiten, dass auf dieser "Hausfrauenmesse" etwas kostenlos zu holen sei, seien nun einmal vorbei und umso weniger könne er verstehen, dafür Eintritt zu zahlen.


Auch ich hatte das Gefühl, dass "Beutelratten"1 auf der Infa nicht auf ihre Kosten kommen. Dennoch möchte ich allen, die sich über den Eintrittspreis aufregen, erklären, warum das so ist und nicht anders. Auf der Infa fehlte mir die Zeit dazu, meine Freundin war schon auf dem Weg zum nächsten Stand.


Grundsätzlich kann ich wirtschaftlich, aber auch sozial begründen, weshalb für diese Messe Eintritt verlangt wird.



1. wirtschaftlich


Die Veranstalter der Messe müssen ihre Kosten (Miete der Messehallen, Werbungskosten, Gebühren, etc.) decken und wollen einen Gewinn erwirtschaften. Die Veranstalter können Einnahmen erzielen, indem die Standbetreiber eine Gebühr für ihren Stellplatz bezahlen oder eben die Gäste Eintritt bezahlen. Der Eintritt kann generell für den Besuch der Messe kostenpflichtig sein und / oder der Veranstalter nimmt zusätzlich noch Geld ein, indem er sich den Toilettengang, Infobroschüren, Personenbeförderung auf dem Messegelände, den Parkplatz etc. extra bezahlen lässt.


Bei der Preisgestaltung ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sind die Standgebühren zu hoch, bleiben die Aussteller weg, die Hallen leer. Die Aussteller jedoch sind die Besuchermagnete und wenn die Besucher ausbleiben, ist die ganze Messe ein Flop.


Die Besucher werden durch hohe Eintrittspreise ebenfalls abgeschreckt.


Bei der Infa hat man sich offensichtlich für eine Mischkalkulation entschieden. Standbetreiber zahlen eine mäßige Gebühr, die Besucher zahlen einen gemäßigten Eintrittspreis. Dafür erhalten sie kostenlose Infobroschüren, finden Übersichtstafeln in den Hallen, können die Toiletten und eine Bimmelbahn, welche die fußmüden Besucher von Halle zu Halle transportiert, kostenlos benutzen. Allerdings gilt die Eintrittskarte NICHT alles Ticket für den öffentlichen Nahverkehr und der Parkplatz für den Pkw kostet ebenfalls extra.


In diesem Mix tragen die Eintrittspreise zur Kostendeckung des Veranstalters bei, sie generieren Einnahmen in Abhängigkeit von der Anzahl der Besucher.



2. sozial


Wie oben beschrieben schrecken hohe Eintrittspreise Besucher davon ab, eine Messe zu besuchen.


Dieser abschreckende Effekt kann durchaus von den Messebetreibern gewollt sein, um bestimmtes Klientel fernzuhalten. Der Erfolg einer Messe wird zwar an der Besucherzahl gemessen, aber in erster Linie soll eine Einkaufsmesse, wie die Infa eine ist, zahlende Kunden anziehen und nicht bloß neugierige Menschen, die auf Schnäppchen aus sind und am liebsten alles geschenkt haben wollen.


Drastisch ausgedrückt ist der Eintrittspreis wie eine unsichtbare Mauer, die Zahlungsunfähigen den Zutritt verwehrt.


Ist eine Messe trotz des Eintrittspreises gut besucht, dann wäre sie wahrscheinlich stark überlaufen, würde der Besuch weniger oder gar nichts kosten. Die Menschen, die tatsächlich etwas kaufen wollen, müssten sich in den Gängen und an den Ständen den Platz mit Leuten teilen, die zwar kein Geld in der Tasche, aber eine leere Tasche dabei haben, die sie mit kostenlosen Geschenken füllen möchten. Dies könnte die zahlende Klientel sogar ganz abschrecken.


Es ließe sich also durchaus eine andere Mentalität der Messebesucher feststellen. Am ehesten wäre es dann wohl wie auf einem Flohmarkt, wo gegenwärtig jeder am liebsten alles geschenkt haben möchte.


Mit dem Eintrittsgeld verdient der Veranstalter Geld und hält ohne Türsteher und Gesichtskontrolle HartzIV-Empfänger fern, die einen Teil ihrer Ernährung über Verkostungsproben an den Messeständen decken wollen.


Der Eintrittspreis kommt einer Bonitätsprüfung gleich. Wer den Zehner für den Eintritt im Portmonee hat, der hat dort vermutlich noch mehr. Und wird gewillt sein, dieses Geld auch auszugeben. Schließlich muss sich der Besuch und die Investition des Eintritts auch lohnen.


Denn rein psychologisch wäre das Eintrittsgeld falsch investiert, würde man die Messe mit leeren Händen verlassen.



Wie man das Eintrittsgeld persönlich bewertet, bleibt Ansichtssache. Ich möchte lediglich den Mechanismus des sozialen Ausschlusses aufzeigen, der hinter dem Eintrittsgeld steckt. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, für eine Verkaufsveranstaltung Eintritt zu zahlen.

1Beutelratten: Besucher einer Messe, die in erster Linie darauf aus sind, Werbetüten mit Geschenkartikeln zu erhalten und diese im Verlauf des Messebesuchs mehr und mehr mit Werbeartikeln, Gratisproben, etc. zu füllen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen