Selbstwertgefühl – ein Dauerthema, wenn man einen Beruf ausüben
möchte, bei dem es ständig um Formen der Darstellung und des Ausdrucks geht.
Nun haben Menschen eine gewisse Vorstellung, wenn sie an
einen Autoren denken: Selbstsicher, jede Situation analytisch bewertend,
jederzeit überlegen. Wer schreibt, der kann mit Sicherheit auch gut reden und
ist gern gesehener Partner für ausgiebige Gespräche.
Ich möchte jetzt nicht selbst beurteilen, ob ich diese
Kriterien erfülle. Oft habe ich da meine Zweifel. Deswegen ist Michael Phelps
eine Identifikationsfigur für mich. Er ist der überragende Sportler der
olympischen Spiele 2008. Niemand vor ihm hat 8 Goldmedaillen während der Olympischen Spiele
errungen. Ein Phänomen. Der Athlet schlechthin.
Nun möchte man vorschnell unterstellen: Wer so schnell
schwimmt, wie kein anderer Mensch, der muss grundsätzlich sehr sportlich sein
und schlägt mit Sicherheit jeden Hobbysportler, z.B. im Laufen oder Radfahren.
Eine mir sehr sympathische Besonderheit am Schwimmer-Ass
Phelps ist, dass ihm sein Trainer strikt verboten hat, zu joggen. Was viele
Hausfrauen morgens vor dem Abwasch tun, bekommt dieser Ausnahmesportler nicht
hin. Er fällt dabei über seine eigenen Füße, Verletzungen nicht ausgeschlossen.[1]
Auch wenn man wie Phelps nur eine ganz spezielle Fähigkeit
besitzt, kann man sehr viel erreichen und stolz auf seine Leistungen sein. Man
muss nicht alles können und jederzeit der beste sein. Ein Gebiet reicht schon.
Ich schlurfe oft mürrisch und gedankenverloren durch meinen
Alltag. Nicht immer kann ich in einem Gespräch mit sprühender Leichtigkeit punkten.
Viel zu oft tappe ich in die zahlreichen Fettnäpfchen der seichten Konversation.
Namen vergesse ich grundsätzlich sofort, nachdem sich mir eine Person
vorgestellt hat. Nicht aus Desinteresse, sondern weil ich dazu schlichtweg
nicht fähig bin. Stockt eine Unterhaltung, fallen mir nur dämliche Fragen ein. In den falschen Momenten fehlen mir die richtigen Worte. Wie schön, dass man beim Schreiben mehr Zeit hat, um alles zu durchdenken und auf den Punkt zu bringen.
Schreiben und miteinander sprechen sind zwei verschiedene
Arten der Kommunikation. Von der einen auf die andere zu schließen wäre fatal.
Viele Bekannte, Freunde und Verwandte waren sehr überrascht, dass ich eine
Geschichte wie „die Plastiktütenfrau“ geschrieben habe.
Danke,
Michael Phelps. Dein schlurfendes Beispiel gibt mir Mut, dem Schreiben einen
eigenen Wert beizumessen.

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