Freitag, 23. Oktober 2009

Einkaufserlebnis Infa

Diese Woche besuchte ich mit meiner Freundin die Infa in Hannover. Es gab wieder einmal zahlreiche Stände, z.B. mit Küchenutensilien, Wellnessartikeln, aber auch die üblichen Fressbuden waren vertreten. An einer dieser Fressbuden belauschte ich ein älteres Ehepaar.


Er regte sich sehr darüber auf, dass ihn der Eintritt zu dieser Werbe- und Verkaufsveranstaltung immerhin 10 € Eintritt gekostet hatte.


Im Kaufhaus zahle er ja auch keinen Eintritt, war eines seiner Argumente. Seiner Meinung nach sei es kein besonders schönes (Einkaufs-) Erlebnis, wenn er erst 5 € für den Parkplatz und dann 10 € Eintritt für jede Person zahlen müsse. Und letztendlich stünde ihm an jedem Stand ein eifriger Geschäftsmann gegenüber, der nichts zu verschenken habe, sondern seine Waren zu mehr oder weniger normalen Preisen verticken möchte. Die Zeiten, dass auf dieser "Hausfrauenmesse" etwas kostenlos zu holen sei, seien nun einmal vorbei und umso weniger könne er verstehen, dafür Eintritt zu zahlen.


Auch ich hatte das Gefühl, dass "Beutelratten"1 auf der Infa nicht auf ihre Kosten kommen. Dennoch möchte ich allen, die sich über den Eintrittspreis aufregen, erklären, warum das so ist und nicht anders. Auf der Infa fehlte mir die Zeit dazu, meine Freundin war schon auf dem Weg zum nächsten Stand.


Grundsätzlich kann ich wirtschaftlich, aber auch sozial begründen, weshalb für diese Messe Eintritt verlangt wird.



1. wirtschaftlich


Die Veranstalter der Messe müssen ihre Kosten (Miete der Messehallen, Werbungskosten, Gebühren, etc.) decken und wollen einen Gewinn erwirtschaften. Die Veranstalter können Einnahmen erzielen, indem die Standbetreiber eine Gebühr für ihren Stellplatz bezahlen oder eben die Gäste Eintritt bezahlen. Der Eintritt kann generell für den Besuch der Messe kostenpflichtig sein und / oder der Veranstalter nimmt zusätzlich noch Geld ein, indem er sich den Toilettengang, Infobroschüren, Personenbeförderung auf dem Messegelände, den Parkplatz etc. extra bezahlen lässt.


Bei der Preisgestaltung ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sind die Standgebühren zu hoch, bleiben die Aussteller weg, die Hallen leer. Die Aussteller jedoch sind die Besuchermagnete und wenn die Besucher ausbleiben, ist die ganze Messe ein Flop.


Die Besucher werden durch hohe Eintrittspreise ebenfalls abgeschreckt.


Bei der Infa hat man sich offensichtlich für eine Mischkalkulation entschieden. Standbetreiber zahlen eine mäßige Gebühr, die Besucher zahlen einen gemäßigten Eintrittspreis. Dafür erhalten sie kostenlose Infobroschüren, finden Übersichtstafeln in den Hallen, können die Toiletten und eine Bimmelbahn, welche die fußmüden Besucher von Halle zu Halle transportiert, kostenlos benutzen. Allerdings gilt die Eintrittskarte NICHT alles Ticket für den öffentlichen Nahverkehr und der Parkplatz für den Pkw kostet ebenfalls extra.


In diesem Mix tragen die Eintrittspreise zur Kostendeckung des Veranstalters bei, sie generieren Einnahmen in Abhängigkeit von der Anzahl der Besucher.



2. sozial


Wie oben beschrieben schrecken hohe Eintrittspreise Besucher davon ab, eine Messe zu besuchen.


Dieser abschreckende Effekt kann durchaus von den Messebetreibern gewollt sein, um bestimmtes Klientel fernzuhalten. Der Erfolg einer Messe wird zwar an der Besucherzahl gemessen, aber in erster Linie soll eine Einkaufsmesse, wie die Infa eine ist, zahlende Kunden anziehen und nicht bloß neugierige Menschen, die auf Schnäppchen aus sind und am liebsten alles geschenkt haben wollen.


Drastisch ausgedrückt ist der Eintrittspreis wie eine unsichtbare Mauer, die Zahlungsunfähigen den Zutritt verwehrt.


Ist eine Messe trotz des Eintrittspreises gut besucht, dann wäre sie wahrscheinlich stark überlaufen, würde der Besuch weniger oder gar nichts kosten. Die Menschen, die tatsächlich etwas kaufen wollen, müssten sich in den Gängen und an den Ständen den Platz mit Leuten teilen, die zwar kein Geld in der Tasche, aber eine leere Tasche dabei haben, die sie mit kostenlosen Geschenken füllen möchten. Dies könnte die zahlende Klientel sogar ganz abschrecken.


Es ließe sich also durchaus eine andere Mentalität der Messebesucher feststellen. Am ehesten wäre es dann wohl wie auf einem Flohmarkt, wo gegenwärtig jeder am liebsten alles geschenkt haben möchte.


Mit dem Eintrittsgeld verdient der Veranstalter Geld und hält ohne Türsteher und Gesichtskontrolle HartzIV-Empfänger fern, die einen Teil ihrer Ernährung über Verkostungsproben an den Messeständen decken wollen.


Der Eintrittspreis kommt einer Bonitätsprüfung gleich. Wer den Zehner für den Eintritt im Portmonee hat, der hat dort vermutlich noch mehr. Und wird gewillt sein, dieses Geld auch auszugeben. Schließlich muss sich der Besuch und die Investition des Eintritts auch lohnen.


Denn rein psychologisch wäre das Eintrittsgeld falsch investiert, würde man die Messe mit leeren Händen verlassen.



Wie man das Eintrittsgeld persönlich bewertet, bleibt Ansichtssache. Ich möchte lediglich den Mechanismus des sozialen Ausschlusses aufzeigen, der hinter dem Eintrittsgeld steckt. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, für eine Verkaufsveranstaltung Eintritt zu zahlen.

1Beutelratten: Besucher einer Messe, die in erster Linie darauf aus sind, Werbetüten mit Geschenkartikeln zu erhalten und diese im Verlauf des Messebesuchs mehr und mehr mit Werbeartikeln, Gratisproben, etc. zu füllen.

Sonntag, 2. August 2009

Beruf oder Hobby?

Beruf oder Hobby? Eine strikte Trennung in Tätigkeiten, die man als Beruf ausüben kann und in Tätigkeiten, die sich nur als Hobby eignen, gibt es nicht.


Okay, es gibt die standardisierten Berufe, die Lehrberufe. Man bekommt darin beigebracht, auf eine bestimmte Art zu handeln und zu denken, ist je nach Anstrengung und Können mehr oder weniger austauschbar. Ich bin froh, dass sich die Autorentätigkeit eben dazu nicht eignet, auch wenn die Kurse einiger Fernakademien mit ihren Slogans „Schreiben kann man lernen“ etwas anderes suggerieren. So ein Kurs verbessert vielleicht den Stil und erweitert den Wortschatz. Aber ob einem dann auch gute Ideen kommen? Ich wage, das zu bezweifeln.


Fußballer, Kaninchenzüchter, Angler, Koch, Dichter, Töpfer, Modellbauer: Viele, viele Menschen sind das in der Freizeit und nennen es ein Hobby. Wenige nennen sich ebenso und üben es als Beruf aus. Mir bleibt die Hoffnung, dass mir der Sprung aus dem Hobby heraus gelingt.


Jede menschliche Handlung kann sich dazu eignen, sie beruflich auszuüben. Es hängt nur davon ab, wie viel Ehrgeiz, Mut, Zeit, Leistung und Leistungsbereitschaft man in diese Tätigkeit steckt. Und eine gute Portion Glück.


Wenn man eine Möglichkeit findet, dass jemand für die Ausübung der Tätigkeit bezahlt, sei es direkt oder indirekt, dann stehen die Chancen gut, dass die Tätigkeit zu einem Beruf wird, der den Lebensunterhalt finanziert.


Ansonsten bleibt es eben nur ein Hobby. Vielleicht ein Hobby, das ein Taschengeld einbringt. Aber eben bloß zum Zeitvertreib.


Typeer.de ist eine der Einnahmequellen meiner Autorentätigkeit. Es bezahlt zwar niemand direkt dafür, dass ich Schreibe. Aber man bezahlt dafür, dass neben meinen Text passende Werbung geschaltet werden darf.


Die Einnahmequelle ist also gefunden und wird durch ständig neue Texte immer weiter ausgebaut, damit sich das jetzige Taschengeld zu einem Einkommen entwickelt. Ich bin bereit, viel zu leisten und hoffe, euch Lesern etwas bieten zu können: Freude, Spaß und wichtige Erkenntnisse. Jetzt fehlt nur noch das Quäntchen Glück.


Ich freue mich auf ein Jahr 2009, das für uns eine gute Gesundheit und eben dieses Quäntchen Glück bereit hält.


Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch und auch weiterhin viel Freude, Spaß und tiefe Erkenntnisse mit den Texten, Bildern und Videos auf Typeer.de

An Dich

An dich, wenn du mich vom Schreiben abhalten willst, weil anderes angeblich „sinnvoller“ sei.

Ich werde niemanden überzeugen können, der sich partout nicht mit Argumenten überzeugen lassen will.

Andererseits wirst auch du mich nicht überzeugen können, wenn ich mich durch deine angeblich so offensichtlichen Argumente nicht überzeugen lassen möchte.

So können wir uns streiten und diskutieren. Oder wir lassen es einfach bleiben und irgendwann lacht der eine oder andere von uns beiden, weil die Zukunft genau das Resultat gebracht hat, das einer von uns erwartet hatte.

Aber ich akzeptiere nur das Resultat, das mir in naher oder ferner Zukunft präsentiert wird. Ich akzeptiere nicht die Vorstellung davon. Ich akzeptiere nicht das, was sein könnte. Ich akzeptiere nur das, was gegenwärtig ist.

Man kann es so oder so sehen. Für den einen renne ich blindlings gegen eine Mauer, die alle anderen sehen.

Für den anderen arbeite ich konsequent und mit Mut zum Risiko auf mein Lebensziel zu. Es ist nicht zu 100 Prozent sicher, ob ich mein Ziel erreiche. Aber es ist auch nicht ausgeschlossen. Es kann auch mal klappen: Mit dem Kopf durch die Wand.

no risk no fun

Lass mich bitte arbeiten.

Sichere Arbeitsplätze? Heute?

Vielen Menschen ist die Sicherheit im Beruf ganz besonders wichtig. Lieber ein geringeres Einkommen, dafür aber regelmäßig. Und mit der Aussicht, den Beruf lebenslang ausüben zu können.

Dieses Idealbild wird es langfristig so nicht mehr geben, verkündet doch der Großteil der Politiker und Wissenschaftler seit langem, dass der Rentner der Zukunft eine Vielzahl von Beschäftigungsverhältnissen erlebt haben wird und, dass jeder Beschäftigte ein Leben lang zu lernen hat, um dauerhaft auf einem dynamischen Arbeitsmarkt bestehen zu können.

Mach doch erstmal ne Lehre, am besten bei einer Bank!

So oder so ähnlich lautete über Jahre hinweg der zumeist gut gemeinte Rat ganzer Vatergenerationen.

Eine solide Grundlage ist durchaus nicht verkehrt. Dauerhaft im Lehrbetrieb unter zu kommen ist seit absehbarer Zeit utopisch, wie die oben genannte Debatte zeigt. Und durch die Finanzkrise wird erst recht deutlich, wie schnell sich bestimmte Unternehmen und Branchen von ihren Mitarbeitern trennen.

Könnte es nicht eine Alternative sein, auf eigene Rechnung zu arbeiten? In einem Bereich, für den man sich interessiert? Durchaus. Es sollte niemand aus einer Notlösung heraus in die Selbstständigkeit gezwungen werden. Wenn der Elan und die unternehmerische Einstellung fehlt, dann ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Allerdings ist das gesellschaftliche Klima nicht gerade freundlich gegenüber Existenzgründern und Selbstständigen. Erstere werden aufgrund ihres gewagten Vorhabens milde belächelt und vorab zum Scheitern verurteilt. Scheitern sie tatsächlich, ist der Spott groß. Anders als zum Beispiel in den USA wird der gescheiterte Gründer nicht für den Mut bewundert, es versucht zu haben. Hierzulande ist das Scheitern ein lebenslanges Stigma. Aufzustehen und es noch einmal zu versuchen ist hier noch schwerer als der erste Versuch.

Aber auch die Selbstständigen die es schaffen, sind allgemein nicht gerade beliebt. Das verachtungsvolle Lächeln gegenüber den Gründern schlägt dann blitzschnell in blanken Neid, mit dem die Selbstständigen ab gestraft werden, die sich der öffentlichen Meinung nach für etwas bessere halten.

Ich würde mir sehr wünsche, dass sich dieses Bild schleunigst ändert. Ein bisschen mehr Mut zum Gründertum tut uns allen gut. Denn Gründer von heute sind die Arbeitgeber von morgen.

Es ist immer ein Wagnis, auf eigenen Beinen stehen zu wollen. Jeder Einjährige weiß das. Und trotzdem hat so gut wie jeder von uns das selbstständige Laufen gelernt. Die einen früher, die anderen später. Unglaublich oft fallen Kleinkinder derb auf die Fresse. Und trotzdem stehen sie immer wieder auf, versuchen es noch einmal.

In der Wirtschaft hingegen kriechen die meisten vor sich hin. Ich vermute, weil es hier selten jemanden gibt, der einem hilft, die ersten eigenen Schritte zu tun und einem sagt „Versuch es, du schaffst das!“.

Woran kann man nun einen wirklich sicheren Arbeitsplatz in der modernen Arbeitswelt erkennen? Ich denke, diese Punkte sind wichtig:

*

Man ist nicht so schnell durch einen anderen Mitarbeiter zu ersetzen
*

keine Maschine kann den Job übernehmen
*

keine Software kann den Arbeitsplatz ersetzen
*

Ein Arbeiter aus einem Billiglohnland kann den Job nicht ausführen

Ich behaupte, dass diese Kriterien auf die freiberuflich selbstständige Autorentätigkeit zutreffen.

*

Niemand außer mir kann meine Geschichten schreiben. Vielleicht ähnliche oder sogar bessere. Aber ganz bestimmt nicht genau die Texte, wie ich sie mir ausdenke. Noch habe ich das Monopol auf meine Gedanken.
*

Eine Maschine oder Software, die kreative Texte hervorbringt? Künstliche, kreative Intelligenz? Ich möchte nicht in der Welt geben, in der es so etwas gibt. Dann wäre der Mensch vollends ersetzbar.
*

Der kreative Umgang mit Sprache setzt voraus, diese sehr gut zu beherrschen. Das ist eine sehr große Hürde für einen nicht-Muttersprachler. Aber ich gebe zu, dass es eine große Herausforderung ist, sich gegen die Horde amerikanischer Bestsellerautoren durchzusetzen, die ins deutsche übersetzt wurden und werden

Wie sieht es mit Ihrem Job aus?

Mein Soziologieprofessor sagte in der Einführungsveranstaltung zur Sozialstruktur und Sozialstatistik der Bundesrepublik Deutschland, dass es zum derzeitigen Zeitpunkt die Arbeitsplätze noch gar nicht gäbe, die wir nach dem Studium bekleiden würden. Der Arbeitsmakrt ist unglaublich dynamisch. Ein guter Tipp der Elterngeneration, der in ihrer Zeit Gold wert war, kann heute schon überholt sein. Was früher gut funktionierte, kann heute schon falsch sein.

Wenn Sie meinen Blog kennen, dann wissen Sie bereits, dass es mein Lebenstraum ist, mir meinen Arbeitsplatz selbst zu schaffen. Mit dem Schreiben kreativer Texte. Ich erwarte nicht, dass mich irgendjemand an die Hand nimmt. Ich werde es immer wieder versuchen und solange wieder aufstehen, bis es läuft.

Jan Weilers Lesung aus Autorenperspektive

Vor kurzem hat eine Lesereise den Buchautor und Journalisten Jan Weiler, bekannt durch den Roman Maria ihm schmeckt´s nicht und eine wöchentliche Kolumne im Stern, in mein beschauliches Heimatstädtchen verschlagen.

Meine Frau hatte mir bereits vor längerer Zeit eine Karte dafür zum Geburtstag geschenkt, also gingen wir auch trotz Eis und Schnee dorthin.

Ich möchte jetzt nicht über Jan Weiler als Person und weniger über den Inhalt seiner durchaus hörenswerten Lesung referieren. Vielmehr möchte ich kurz die Punkte eingehen, die diese Lesung aus Autorensicht ganz besonders interessant machen:

Wie schafft es ein einzelner Autor, einen Saal gefüllt mit etwa 250 Leuten nur mit seiner Stimme zu unterhalten? Welche rhetorischen Techniken setzt er ein, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen? Welche Ausstattung trug zum Erfolg der Veranstaltung bei?


Die Bühne

Auf der erhöhten Bühne standen lediglich ein Stuhl und ein Tisch sowie ein großes Standmikrofon.

Der Tisch war mit einem sehr langen, schwarzen Tuch abgedeckt, damit die Beine von Jan Weiler nicht zu sehen waren.

Auf dem Tisch lagen zum Zeitpunkt des Einlasses bereits die Texte, die er vorstellte, außerdem befand sich dort eine Wasserflasche und ein Wasserglas.

Ansonsten war der restliche Bereich der Bühne mit schwarzen Vorhängen verhüllt, damit nichts vom Platz des Autoren ablenken konnte.


Das Publikum dirigieren / dem Publikum Sicherheit geben

Menschen sind immer ein wenig ängstlich, wenn sie sich in Situationen befinden, die sie nur selten erleben. Verhalte ich mich richtig? Tue ich das Richtige?

Jan Weiler schien diese Gedanken seines Publikums zu kennen. Er benutzte die Begrüßungsworte zu Beginn der Lesung dazu, den Besuchern einen Crash Kurs zu geben, der die Überschrift tragen könnte Wie verhalte ich mich richtig in einer Autoren-Lesung.

In den Worten Jan Weilers:

Immer wieder haben bei früheren Veranstaltungen Menschen zu mir gesagt: „Ich würde ja gerne klatschen. Aber darf ich das? Und wenn ja, wann?“
Ich antwortete: „Gerne dürfen sie klatschen. Immer dann, wenn ein Stück vorbei ist.“
Darauf kam dann die Frage: „Wie merke ich denn, dass ein Stück vorbei ist?“

Ein Stück ist vorbei, wenn ich mein Glas hebe und daraus trinke“.

Das hat bei unserer Lesung auch wunderbar geklappt. Der Autor wurde während der Lesung nicht unterbrochen und konnte theatralische Pausen setzen, ohne dass jemand diese gewollte Ruhe unterbrochen hätte. Führte er dann sein Glas zum Mund, dann brach der tosende Applaus auch schon wie auf Kommando los. Ein wirklich empfehlenswertes Vorgehen.

Ebenfalls sehr geschickt nahm Jan Weiler nach der 25 minütigen Pause die brennende Frage des Publikums vorweg: Darf ich nach der Lesung gleich aufstehen? Oder ist dann noch große Fragestunde? Oute ich mich etwa als Kulturbanause, wenn ich meinen Platz, wie nach einer Kinovorstellung, sofort verlasse?

Jan Weiler stellte also sofort klar, dass er seine Lesung nicht mit dem Satz beenden würde „Gibt es noch Fragen aus dem Publikum?“ Seiner Meinung nach würden dann eh alle nach Hause wollen und unruhig auf ihren Plätzen herum rutschen, während ein Streber aus der ersten Reihe eine ganze Batterie von Fragen hintereinander stellen würde, weil der hohe Autor ja genau das gerade gefordert hatte.

Sollte tatsächlich jemand Fragen haben, so würde Jan Weiler diese in der anschließenden Signierstunde im Foyer beantworten.


Einnahmequellen

  • Verkauf von Eintrittskarten (meine Frau hat ermäßigt 10 € bezahlt, je nach Veranstaltungsort bezahlt man für Jan Weiler aber auch 16,50 € und mehr)

  • Getränkeverkauf (bei uns durch örtliche Jugendgruppe der Stadtjugendpflege. Diese Übernahm auch die Aufbauarbeiten: Bestuhlung, Verkabelung, Bühnenbau, Hintergrundmusik)

  • Buchverkauf (hier durch örtliche Buchhandlung vorgenommen)


Außerdem denkbar wären:
  • Garderobe

  • Toilettenservice
  • Verkauf von kleinen Snacks

  • Verkauf weiterer Medien und Fanartikel: Hör-CDs, T-Shirts...


Was wurde gelesen?

Jan Weiler las aus seinem frisch veröffentlichten Roman „Drachensaat“ und einige seiner im Stern veröffentlichten Kolumnen „Mein Leben als Mensch“.

Es handelte sich also um Texte, die jeder schön hätte kennen können. Ich persönlich hatte jede seiner Kolumnen bereits gelesen, ich langweilte mich aber dennoch nicht, da es sehr interessant war, diese aus dem Mund des Autoren zu hören.

Böse Zungen könnten behaupten, dass es sich bei der Lesung um eine Werbeveranstaltung handelt, für die das Publikum auch noch zahlt.

Die Kapitelauswahl von Drachensaat und die Vorstellung dieses Buch waren so geschickt ausgewählt, dass der Zuhörer nur die allernötigsten Infos erfahren hat. Er konnte die Kapitel und Zusammenhänge verstehen. Aber es wurde auch maximale Neugierde erzeugt, denn jeder wollte anschließend wissen, wie es mit der Handlung weitergeht.

Werbebotschaft: Kauft den Stern, da findet ihr jede Woche eine Kolumne, wie ihr sie gerade gehört habt. Kauft das Buch „Drachensaat“, dann erfahrt ihr, wie es weitergeht.

Nichtsdestotrotz fühlte sich das Publikum bestens unterhalten. Spannung wurde aufgebaut und Neugierde geweckt, Drachensaat selbst zu lesen. Jan Weiler tat dies auch nicht in Form eines plumpen Verkäufers. Liebenswert und ehrlich verwies er darauf, dass er bestimmte Infos zur Handlung nicht verraten werde, da das Erlebnis, das Buch selbst zu lesen, durch diese Lesung nicht beeinträchtigt werden solle.

Ich denke, dass viele Exemplare der Drachensaat unter dem Weihnachtsbaum 2008 liegen werden, wenn das Buch nicht sogar sofort im Anschluss gekauft wurde. Ein sehr eleganter, nachahmenswerter Schachzug.

Ein Autor, der eine eigene Lesung halten möchte, braucht also nicht die Angst zu haben, dem Publikum besondere und neue Texte bieten zu müssen. Es ist besonderes Erlebnis genug, bereits bekanntes aus dem Mund des Schriftstellers vorgetragen zu bekommen. Durch geschickte Auswahl der Textausschnitte kann der Verkauf dieser sogar noch gefördert werden. Die Bühne als Werbeplattform.


aktueller Bezug

Ein aktueller, frischer Einstieg bricht das Eis zwischen Vortragendem und Publikum. Das kann eine Bemerkung zum Wetter sein (bei uns hatte es frisch geschneit) oder eine eher beiläufige Bemerkung zu der Bühnengestaltung sein. („Sie fragen sich, weshalb hier eine Wasserflasche der Marke Vittel steht? Die zahlen mir eine Million Euro dafür. Jetzt sind Sie neidisch. Aber sie kennen das dunkle, schmutzige Geheimnis der Firma nicht: die haben mir einmalig eine einzige Flasche davon überreicht. Vor jeder Lesung muss ich sie mit Leitungswasser auffüllen und öffentlich daraus trinken. So, aber jetzt räche ich mich. Jetzt drehe ich die Flasche so, dass Sie das Etikett nicht mehr lesen können“).


Eigener Eindruck

Es muss ein berauschendes Gefühl für einen Schriftsteller sein, einen großen Saal voller Menschen allein mit der Stimme und vorgelesenen Texten unterhalten zu können. Allerdings muss wohl bereits ein gewisser Bekanntheitsgrad vorhanden sein, um einen großen Saal zu füllen.

Die erste eigene Lesung könnt vielleicht in einer Szenekneipe stattfinden, die derartiges regelmäßig veranstaltet. Dann kommt das Publikum aus Gewohnheit und der Autor kann sich selbst vor Publikum ausprobieren. Allerdings dürfte die Gage, wenn überhaupt etwas gezahlt wird, nicht sehr hoch ausfallen. Aber für den Anfang ist es sicherlich als Übung nicht schlecht. Jede Plattform sollte angenommen werden, um Texte zu verkaufen oder um auf Veröffentlichungen wie hier auf Typeer.de hinzuweisen.

Man muss allerdings hartnäckig sein und irgendwann den Absprung in Richtung Gage schaffen, wenn man die Autorentätigkeit nicht nur als interessantes Hobby, sondern als Berufung und Berufsziel versteht.

Ein Publikum zu begeistern würde jedenfalls auch mich sehr glücklich machen. Wenn ich allerdings zu oft in zu kurzen Abständen mit dem gleichen Programm auftreten würde, dann würde ich mir irgendwann wie ein besserer CD-Spieler vorkommen.

Und wenn ich nur noch vorlese – wann soll ich dann schreiben und neue Projekte umsetzen? Der richtige Mix ist der Weg zum Glück.

Aber es ist sicher eine tolle Belohnung, ein paar Monate lang Lesungen zu halten, nachdem man zuvor monatelang an einem wichtigen Projekt gearbeitet und es endlich abgeschlossen hat.

Es freut mich sehr, wenn diese Analyse dem einen oder anderen einmal bei der Vorbereitung einer eigenen Lesung nutzen wird.

Warum es mir nicht egal ist, mit dem Schreiben Geld zu verdienen


Etwas
zu veröffentlichen ist ein geiles Gefühl. Wenn das dann
auch noch vielen gefällt oder als anregend empfunden wird, dann
ist es umso besser. Eigentlich ist das schon Antrieb genug, etwas zu
veröffentlichen. Es gibt einem sehr viel.



Nun
stelle ich mich aber hier hin und rede immer davon, mit dem Schreiben
Geld zu verdienen. Ich zeige Möglichkeit um Möglichkeit,
wie einen Text zu Geld gemacht werden kann. Ich beschäftige mich
mit dem Steuerquatsch und versuche, die bürokratisierten Hürden
der VG Wort einfach darzustellen, damit wirklich jeder an der
Ausschüttung teilnehmen und ein paar Zehner für einen
kurzen Text einstreichen kann.



Dem
Hassberg geht es ja nur ums Geld. Hat der denn kein anderes Thema?
Das ist doch blöd, dieses fixiert sein auf das Finanzielle. Der
lässt sich doch für alles kaufen oder bezahlen.



Ein
solcher Eindruck kann entstehen. Er stimmt so aber ganz bestimmt
nicht. Bei allen Möglichkeiten, Geld mit Texten zu verdienen,
habe ich es immer angekreidet, wenn die Freiheit des Autoren
beschni
tten wurde. Sei es bei
Trigami,
weil dort die Meinung käuflich ist. Oder sei es bei den
Contenthändlern wie
textbroker,
bei denen ein Autor nichts anderes als ein Textsklave ist, dem
vorgegeben wird, welches Schlüsselwort im fertigen Text wie oft
vorkommen muss.



Jeder
muss mit sich selbst ausmachen, für welchen Job er Leib und
Leben verkauft. Ich könnte mir nichts besseres vorstellen, als
freischaffend zu arbeiten und die Finanzen stimmen dann einfach.
Damit meine ich keine Millionen auf dem Konto, sondern ein Einkommen,
mit dem ich meine Rechnungen bezahlen kann.



Sich
selbst bei textbroker Aufträge
herauszupicken, auf die man Lust hat, kann natürlich erfüllender
sein und mehr Spaß machen, als in einem Nebenjob vom Chef nur
langweiligen Blödsinn auf den Tisch geknallt zu bekommen, der
einem nicht liegt. Sich mit so etwas zu beschäftigen bringt
niemanden weiter. Es bremst nur die Lebensfreude und Kreativität.
Nach so einem Job möchte man nur nach Hause, ab aufs Sofa. Erst
mal von dem Blödsinn erholen.



Ich
aber liebe Arbeit, in der ich voll aufgehe. Sitze ich am
Schreibtisch, um zu schreiben, dann muss schon sonst etwas geschehen,
um mich dort fort zu bekommen. Dann brauche ich auch so etwas wie
„Freizeit“ nicht. Wenn auf diese Art etwas erarbeite, dann ist
das die schönste Zeit des Tages. Ich habe nichts gegen solche
Arbeitstage, die aus 16 oder 18 Stunden Textarbeit am PC bestehen.



Das
Konstrukt der Freizeit wurde auch erst in den Zeiten der
Industrialisierung erfunden, damit die Arbeiter in ihren Höllenjobs
nicht vollkommen zugrunde gehen. Und so ähnlich ist es bis jetzt
ja auch geblieben. Körperliche Anstrengungen haben bis heute
Dank Technik zunehmend abgenommen. Aber die psychischen Belastungen
sind dafür gewachsen. Wen wundert es da nicht, dass die Psyche
heute der Hauptauslöser für Krankheitstage und für
Berufsunfähigkeit ist?1



Wenn
ich wiederholt von und über Geld schreibe, dann nicht, weil es
die schönste Sache der Welt ist. Geld macht nicht glücklich.
Ist jemand ohne Geld unglücklich, dann wird aus ihm höchstens
ein wohlhabender Unglücklicher. Wenn sich sonst nichts ändert,
wird er mit Geld nicht zu einem glücklichen Menschen. Davon bin
ich überzeugt. Echte Freunde zu finden wird mit Geld jedenfalls
nicht unbedingt leichter.



Geld
ist nur eine Nebensache. Geld wird viel zu viel Bedeutung
beigemessen. Und das schreckliche an Geld ist, dass es an Bedeutung
gewinnt, je weniger man davon hat. Weiß man nicht, wie die
nächste Stromrechnung bezahlt werden soll, dann kreisen ganz
plötzlich alle Gedanken nur ums Geld. Und zwar nur noch ans Geld
und wie man daran kommt. Dann wird Geld zu einem alles bestimmenden
Faktor.



Klar,
dass einem in einer solchen Phase nicht gerade die besten Ideen
kommen.



Auf
ein Leben, in dem Geld der alles bestimmende Faktor ist, habe ich
keine Lust. Leider können wir uns nicht ganz frei von Geld
machen. Jedenfalls nicht, wenn wir die Leistungen anderer
beanspruchen wollen. Wer möchte schon auf Strom und fließend
Wasser verzichten?Das abstruse ist: Freiheit von Geld lässt sich
nur durch Geld erreichen. Geld ist einfach nicht mehr wichtig, wenn
man ausreichend davon hat.



Ein
erfüllendes Leben besteht für mich darin, die Ideen zu
verwirklichen, die mir jeden Tag im Kopf herumschwirren, dabei
Menschen Freude zu bereiten und sie zum Nachdenken anzuregen. Wenn es
Möglichkeiten gibt, mir mit dem Schreiben von Texten eine
Existenz aufzubauen und sie zu sichern, dann möchte ich sie auch
nutzen. Nur so werde ich dem Schreiben ausreichend Zeit widmen
können.



Gerne
teile ich das Wissen über diese Möglichkeiten mit euch.
Und Typeer finde ich genial, denn jeder kann hier meine Texte
kostenlos lesen.





Werk – Autor – Leser: Mein Verständnis von ihren Beziehungen

Das Werk eines Menschen sollte für sich stehen. Der ständige Abgleich des Werkes mit den Oberflächlichkeiten des Menschen kann dem Werk nur schaden.

Ungeachtet davon, dass der Schaffende in seinem Werk etwas darstellen möchte. Das ist nicht immer dessen tatsächliche Meinung. Ein Rückschluss vom Werk auf die Meinung des Autoren kann keine wahren Erkenntnisse liefern.

Polarisierende Äußerungen machen stattdessen die Meinung des Lesenden fassbarer und verhelfen ihm zu gutem Nachdenken und tieferer Erkenntnis. Über sich selbst. Nicht über den Autoren. Der ist nur das Mittel zum Zweck, sein Werk ist nur ein Vehikel.